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09.09.2010 08:47:13


Die Strommarktliberalisierung


Die bevorstehende Liberalisierung ist ein Meilenstein in der Geschichte des Schweizer Strommarktes. Nach einem Jahrhundert Strommonopol zieht dieser fundamentale Wechsel umfassende Änderungen und Anpassungen nach sich.

Liberalisierung

Strommarktöffnung in zwei Schritten
Der Schweizer Strommarkt wird ab 2009 liberalisiert. Die Liberalisierung erfolgt in zwei Etappen: Zunächst für grössere Kunden mit einem Jahresverbrauch von über 100'000kWh und für alle Stromverteilunternehmen wie das EWW per 1. Januar 2009. Im einem zweiten Schritt - nach fünf Jahren und der Möglichkeit eines fakultativen Referendums - soll die vollständige Marktöffnung auch für Kleinkunden und Privathaushalte (Jahresverbrauch unter 100'000kWh) erfolgen.

Was heisst Liberalisierung?
Liberalisierung heisst freie Wahl des Stromlieferanten. Liberalisiert wird nicht die ganze Stromversorgung, sondern nur der Stromliefermarkt. Die verschiedenen Stromanbieter konkurrenzieren sich und der Kunde kann in Zukunft unabhängig von seinem Standort den Stromlieferanten frei wählen.
Die Liberalisierung gilt aber nicht für das Stromnetz. Im Gegensatz zum Telekommunikationsmarkt, wo bis auf die letzte Meile parallele Infrastrukturen aufgebaut wurden, bleibt es bei einem einzigen Stromnetz. Denn mehrere parallele Stromnetze sind nicht machbar und vor allem volkswirtschaftlich unsinnig.
Die Schweizer Marköffnung folgt der Liberalisierung des europäischen Strommarktes. Dieser ist weitgehend liberalisiert und treibt die Marktöffnung hierzulande voran. Seit Mitte 2007 ist in allen Ländern rund um die Schweiz der Strommarkt für Privathaushalte geöffnet. Die Liberalisierung des Strommarktes sichert den Platz der Schweiz als wichtige Stromdrehscheibe im europäischen Netzverbund und den damit verbundenen volkswirtschaftlichen Nutzen.

Was bringt die Liberalisierung des Strommarktes?
Die Liberalisierung   des Strommarktes soll allen Kunden, ob Gross oder Klein, letztlich - neben der Freiheit den Stromlieferanten zu wechseln - einen besseren Service, neue Produkte und Dienstleistungen bringen, basierend auf dem Wettbewerb mehrerer Anbieter.

Viele Faktoren machen den Preis aus
Eine Anpassung rein aufgrund der Markliberalisierung drängt sich nicht grundsätzlich auf. Der Strompreis in der Schweiz ist Anfang 2008 auf einem historischen Tiefststand. Der internationale Markpreis ist zurzeit höher als der Durchschnittspreis in der Schweiz. Die Kosten für Strom als Sekundärenergieträger folgen jedoch jenen für Primärenergieträger, die zur Produktion des Stromes benötigt werden (Gas, Öl, Kohle, Uran usw.). Auf dem Strompreis werden in Zukunft auch vermehrt Steuern sowie Lenkungs- und Förderabgaben erhoben. Zurzeit betragen in der Schweiz Abgaben und Steuern rund 10% des Gesamtpreises. In Deutschland machen diese bereits ca. 40% des Strompreises für Privathaushalte aus.
Faktoren, die den Strompreis beeinflussen, sind also die Preise für Energie und Netznutzung, plus Abgaben und Steuern. Je nach Regelung werden die Netznutzungspreise   mehr oder weniger stabil bleiben. Die Energiepreise werden sich nach dem europäischen Markt ausrichten. Die generelle Teuerung   und anstehende Investitionen dürften sich auch auf die Preise auswirken. Alles in allem wird Strom in den nächsten Jahren also eher teurer. Durch einen allenfalls zu erwartenden Effizienzgewinn im Netzbereich wird die Preiserhöhung aber vermutlich weniger stark ausfallen als ohne Marktöffnung.
 

 
Interview mit Peter Wiederkehr, Geschäftsleiter EWW Interview_PW.pdf (44.4 kB)